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Tragen Material

Materialien

Wie bei unserer normalen Kleidung, gibt es auch bei bei den Tragetüchern (und sogar einigen Tragehilfen) verschiedene Materialien oder Materialmixe. Manche sind besonders geeignet für den Sommer oder Winter, andere für Allergiker, gewisse eignen sich besonders für ältere und schwerere Kinder, verschiedene sind besonders gut für Neugeborene und kleine Babys und einige haben einfach nur optische Besonderheiten.

Es gibt von fast jedem Material Unterkathegorien, die sich dann meist nur in Kleinigkeiten unterscheiden.


Bitte denkt daran, dass die im folgenden von mir beschriebenen Eigenschaften ( z. B. Stabilität) subjektives Empfinden sind.


Auch gibt es Unterschiede bei den Herstellern, in der Qualität der Garne, der Herstellung und auch der Bindung (also wie ein Tuch gewebt wird). Daher ist es fast unmöglich direkte Vergleiche zwischen Tüchern mit selbem Material zu ziehn.


Bevor du die im folgenden genannten Pflegeanleitungen bei den verschiedenen Materialien verwendest, schau bitte immer erst auf die Pflegeanleitung die an deinem Tuch befestigt ist.

Baumwolle:

Baumwolle begegnet uns am häufigsten. Sie ist recht pflegeleicht, unempfindlich, angenehm zu tragen und robust. Wie die meisten Stoffe wird auch Baumwolle nochmal weicher wenn sie erst mal "eingetragen" ist. Bei den sogenannten Mischgeweben ist meist ein Baumwollanteil dabei, es gibt aber auch viele Tücher und Tragehilfen aus reiner Baumwolle.

Baumwolle kann auch bei höheren Temperaturen  gewaschen werden (wie immer, nur wenn der Hersteller es erlaubt). Im normal Fall kann man sie bis zu 60 Grad und sie verträgt für gewöhnlich auch ein Standart Waschprogramm mit normaler Schleuderzahl. Auch beim Trocknen ist Baumwolle meist unkompliziert, viele Tücher dürfen in den Trockner oder man hängt sie wie gewohnt auf.

Man kann zwischen folgenden Baumwollarten unterscheiden:

  • kbA (kontrolliert  biologischer  Anbau) also salopp gesagt Bio Baumwolle
  • Ägyptischer Baumwolle, ist noch weicher und glänzender
  • mercierte Baumwolle, glänzt mehr und ist stabiler
  • und der normalen Baumwolle

 

Leinen und Hanf:

Leinen und Hanf sind super geeignet für den Sommer, Leinen ist dünn aber sehr stabil und "schwer" im Vergleich zu gleich langen Baumwolltüchern. Da sie schnell trocknen wirkt das kühlend, oder sagen wir, luftig. Wenn man sich ein neues Leinen- oder Hanftuch kauft, ist es oft erst einmal sehr "biestig". Es ist rauer und steifer als andere Tücher, aber wenn man sich die Mühe macht und es einträgt, wird es butterweich. Ich persönlich finde Hanf wird noch weicher und es ist nicht ganz so dünn.

Sie mögen Wärme, das heißt man darf sie Dampfgebügeln. Was man auch regelmäßig sollte, da gerade Leinen anfällig für Knicke ist. Viele dieser Tücher dürfen mit mehr als 40 Grad gewaschen werden und auch in den Trockner. Bei Leinen und Hanf ist es sehr wichtig, sie nur BÜGELFEUCHT zu trocknen und dann trocken zu bügeln oder auf der Leinen fertig zu trocknen. Das heiße durchtrocknen greift die Fasern an und macht sie porös!!! Sowohl Hanf als auch Leinen kann kleine Unebenheiten im Tuch haben, also kleine Knötchen. Das ist ganz normal und kein Mangel ;) Leinen und Hanftücher laufen unter "brockentauglich" was so viel heißen soll wie "besonders für größere und schwerere Kinder geeignet". Was natürlich nicht bedeutet, dass reine Baumwolltücher das nicht sind oder man mit Leinen- oder Hanftüchern nicht auch Neugeborene tragen könnte.

 

Seide:

Seide ist mein liebstes Tragetuchmaterial. Seide ist von Anfang an wunderbar weich und lässt sich super binden. Im Sommer kühlt sie (wie es kein anderer Stoff kann) und im Winter wärmt sie. Viele Seidenarten glänzen wunderschön. Seide wirkt antibakteriell und knittert kaum.

 

Die Schattenseiten sind neben dem hohen Preis und der aufwendigen Pflege, dass manche Seidenarten am Anfang einen eigenen Geruch haben können, der sich aber nach einiger Zeit verliert. Auch sollte man vorsichtig mit Deo und Parfüm umgehn, so dass es am besten nicht zum Kontakt kommt, sonst könnte es häßliche Flecken geben.

 

Am häufigsten begegnen mir in der Tuchwelt die Seidenarten:

  • Bourette, bei der gelgentlich (aber nicht immer!!) der eigene Geruch auftauchen kann, glanzlos aber antibakteriell
  • Maulbeerseide
  • Tussah
  • Wildseide

Hier nun das Theme Pflege etwas ausführlicher:

Seide ist super stabil, solang sie trocken ist und super empfindlich im Wasser. Wer sein Tuch liebt und auf Nummer sicher gehen möchte, wäscht sie von Hand (So aufwendig ist es übrigens nicht):

Ich nehme einfach unsere Babybadewanne. Einen mini Schluck vom Feinwaschmittel rein und lauwarmes (lieber zu kalt als zu warm) Wasser einlaufen lassen. Vorsichtig das Tuch ins Wasser gleiten lassen und untertauchen aber nicht rumrühren! Ich lass es meistens eine Stunde im Wasser, aber das macht jeder unterschiedlich. Dann das Wasser auskippen und das Tuch vorsichtig ausspülen. Am besten auf ein großes am Boden liegendes Handtuch legen, einrollen und dann vorsichtig ausdrücken. Unbedingt im LIEGEN TROCKNEN, dh entweder auf dem Boden ausbreiten (und dann bitte nicht drüber laufen) oder über ein bis zwei Wäscheständer legen.

 

 

Wolle:

Ähnlich wie Seide ist auch Wolle ein Multitalent und Pflege etwas aufwendiger. Meistens denkt man bei Wolle an den Winter, aber viele wissen nicht, dass Wolle temperaturausgleichend wirkt. Was bedeutet, dass sie auch im Sommer gut zu tragen ist! Auch bei Wolle sollten wir sehr genau darauf achten, dass kein Deo oder Parfüm ans Tuch kommt.

Gepflegt wird sie wie Seidesiehe Seide). Wem sein Wolltuch zu kratzig wird, kann ein Wollwaschmittel mit Lanolin verwenden. Das kratzig kommt daher, dass die Wolle mit der Zeit ihren natürlichen Fettgehalt verliert. Durch spezielle Waschmittel oder Kuren kann dieser wieder aufgebaut werden und so der ursprünlgiche Zustand wieder erreicht oder sogar verbessert werden.

 

Die häufigsten Wollarten:

  • Cashmere: ein sehr teures und edles Material, wärmt aber auch unglaublich toll
  • Alpaka, sehr sehr weich und kuschelig
  • Merinowolle, ist für mein Empfinden die Wollart die von Anfang an überhaupt nicht kratzt und häufig auch bei empfindlicher Haut gut zu tragen.
  • Schafwolle

Bambus (Viskose):

Die meisten Tücher die mit "Bambus" verkauft werden sind Viskosetücher, dass bedeutet das die natürliche Bambusfaser in einem chemischen Prozess so behandelt wird, dass sie weiter verarbeitet werden kann (mal schwer vereinfacht ausgedrückt). Es gibt aber mittlerweile auch ein Verfahren ohne Chemie, welches aber viel seltener vor kommt.

 

Das soll nicht heißen Bambustücher/Viskosetücher seien schlechter als andere. Sie glänzen wundervoll, sie müssen nicht erst eingetragen werden, sind gleich wunderbar weich und lassen sich gut binden. Manchmal kann es sein, dass sie öfter nachgestrafft werden müssen, weil sie zum Rutschen neigen können, aber das kann man nicht pauschal für alle Bambustücher behaupten.

 

Cottolin:

Cottolin besteht aus 50% Leinen und 50% Baumwolle. Es begegnet uns hauptsächlich bei den "handwoven" ( handgewebten Tüchern) Scene. Es vereint die Eigenschaften von Leinen und Baumwolle.

 

Tencel:

Tencel ist eine künstlich hergestellte Faser und ist Bambus sehr ähnlich. Ihr wird nachgesagt im Sommer sehr angenehm zu tragen zu sein und sie glänzt schön.

 

Merinolux:

Merionlux besteht aus 50% Merinowolle und 50% Tencel. Auch Merinolux wird hauptsächlich bei den handgewebten Tüchern benutzt und vereint die Eigenschaften von Merinowolle und Tencel.

 

Es gibt auch noch andere Materialien wie Fuchs- und Bisonhaar und noch viele weitere zum Teil sehr ausgefallene Materialien. Da diese aber so zahlreich sind und doch nur so selten und meist in kleinen Prozentanteilen vor kommen, gehe ich hier nicht weiter darauf ein.